Methodik
Diese Seite dokumentiert, wie stromFit zu seinen Ergebnissen kommt: welche Daten eingehen, was angenommen wird, wenn eine Angabe fehlt, und wo die Rechnung aufhört. Alle Zahlen unten werden direkt aus den Modulen gelesen, die die Berechnung ausführt — sie sind hier nicht abgeschrieben.
Das Prinzip dahinter: eine fehlende Angabe wird nie geschätzt, ohne dass die Schätzung im Ergebnis markiert ist, und eine unbekannte Größe wird nie als Null behandelt. Wo eine Annahme nötig ist, fällt sie zuungunsten des Ergebnisses aus — ein Unbekanntes soll die Anlage nie besser aussehen lassen, als sie ist.
Solarertrag
Der Ertrag kommt von PVGIS, dem Photovoltaic Geographical Information System der Europäischen Kommission — nicht aus einer Faustformel wie „x kWh pro kWp". Abgefragt wird API-Version v5_2 mit der Strahlungsdatenbank PVGIS-SARAH2, Modultechnik crystSi, Montageart free (hinterlüftet) und 14 % Systemverlusten, die PVGIS selbst anwendet. Als Referenzjahr dient 2019 — ein Nicht-Schaltjahr, also genau 8.760 Stundenwerte für deine Koordinaten.
Aus deinen Angaben werden zwei Winkel: die Neigung aus der Montageart (senkrecht 90°, angestellt 60°) und die Ausrichtung als PVGIS-Azimut.
| S | 0° |
|---|---|
| SE | -45° |
| E | -90° |
| NE | -135° |
| N | 180° |
| NW | 135° |
| W | 90° |
| SW | 45° |
Zeigt das Dach nach zwei Seiten, ist die Ausrichtung kein einzelner Winkel. Für „Ost und West“ rechnet stromFit deshalb zwei getrennte PVGIS-Läufe mit je der halben Leistung — einen nach Osten, einen nach Westen — und addiert die Stundenwerte. Die Aufteilung 50 zu 50 ist eine Annahme, keine Eingabe: liegen die Module ungleich verteilt, verschiebt sich die Tageskurve, die Jahressumme aber kaum.
Fehlt eine Angabe, wird sie vorsichtig ersetzt und im Ergebnis als Annahme markiert. Unbekannte Neigung → 75°. Unbekannte Ausrichtung → 90°, also West statt Süd: wer seine Ausrichtung nicht kennt, bekommt dadurch eher zu wenig Ertrag angezeigt als zu viel.
Die Nahverschattung — Nachbarbalkon, Baum, Dachüberstand — ist der einzige Faktor, den PVGIS nicht kennt und den wir selbst anwenden, als Multiplikator auf den gesamten Stundenverlauf:
| Angabe | Vom Ertrag bleiben | Abzug |
|---|---|---|
| Keine Verschattung | 100 % | 0 % |
| Wenig | 95 % | 5 % |
| Mittel | 85 % | 15 % |
| Stark | 70 % | 30 % |
| Unbekannt (Annahme) | 90 % | 10 % |
Grenze dieser Rechnung: ein einzelner Faktor über das ganze Jahr ist eine Vereinfachung. Echte Verschattung ist tages- und jahreszeitabhängig — ein Baum im Süden kostet im Dezember mehr als im Juni. Ein Verschattungsmodell mit Horizontlinie würde das abbilden; wir haben es nicht, und deshalb steht hier ein Faktor und keine Simulation. Ausgelegt wird für 50 bis 20.000 Wp.
Stromverbrauch des Haushalts
Grundlage ist das Standardlastprofil H0 von VDEW/BDEW — das Profil, mit dem in Deutschland Haushalte ohne Leistungsmessung abgerechnet werden (in der Berechnung geführt als H0 (VDEW/BDEW representative household)). Darauf liegt eine Formung nach deinem Tagesablauf. Das Profil hat dieselbe Zeitachse wie der Ertrag (Referenzjahr 2019, stündlich), damit beide Stunde für Stunde verrechnet werden können.
Saison, Tagestyp und Stunde werden in Europe/Berlin bestimmt, nicht in UTC — sonst läge der Abendpeak im Sommer eine Stunde falsch. Die H0-Dynamisierung, die den Winterverbrauch gegenüber dem Sommer gewichtet, ist aktiv.
Kennst du deinen Jahresverbrauch, wird genau der verwendet. Kennst du ihn nicht, kommt er aus dem Stromspiegel für Deutschland (co2online) — Mehrfamilienhaus, Ausgabe 2024 — Wohnung, Warmwasser nicht elektrisch:
| 1 Person | 1.200 |
|---|---|
| 2 Personen | 1.900 |
| 3 Personen | 2.400 |
| 4 Personen | 2.600 |
| 5+ Personen | 3.100 |
| Auch Haushaltsgröße unbekannt | 2.400 |
Wird geschätzt, steht das im Ergebnis — der Verbrauch ist die Größe mit dem stärksten Hebel auf die Wirtschaftlichkeit, und eine geschätzte Zahl darf nicht aussehen wie eine gemessene.
Homeoffice verschiebt Verbrauch in die Mittagsstunden, also genau dorthin, wo eine Balkonanlage liefert. Der Aufschlag gilt zwischen 9:00 und 17:00 Uhr:
| Fast nie | × 1 |
|---|---|
| 1–2 Tage pro Woche | × 1,08 |
| 3–4 Tage pro Woche | × 1,2 |
| Fast täglich | × 1,35 |
Grenze dieser Rechnung: H0 ist ein repräsentatives Profil, kein gemessenes. Wärmepumpe, E-Auto oder Nachtspeicher sind darin nicht abgebildet, und die Formung nach Tagesablauf ist eine Plausibilitätsannahme, keine Messung. Der Tagesanteil, den wir ausweisen, zählt 8:00 bis 18:00 Uhr.
Eigenverbrauch
Eigenverbrauch wird stündlich bestimmt, nicht als Jahresquote. Das ist der entscheidende Unterschied: über ein Jahr gemittelt sieht jede Anlage gut aus, weil Erzeugung und Verbrauch sich rechnerisch ausgleichen. Tatsächlich nützt Strom um 13 Uhr nichts, wenn der Verbrauch um 20 Uhr anfällt.
Die beiden Profile werden über den Zeitstempel verbunden, nicht über den Index. Passt ein Zeitstempel nicht, bricht die Rechnung ab, statt still ein um Stunden verschobenes Ergebnis auszugeben.
Pro Stunde gilt dann:
- Direktverbrauch = das Kleinste aus erzeugter Energie, Verbrauch und dem, was die Anlage überhaupt abgeben darf.
- Netzbezug = Verbrauch − Direktverbrauch.
- Überschuss = was übrig bleibt.
Zwei Begrenzungen werden dabei getrennt behandelt, weil sie an verschiedenen Stellen wirken: die DC-Eingangsgrenze, oberhalb derer der Wechselrichter Modulleistung gar nicht erst annimmt, und die AC-Ausgangsgrenze — in Deutschland üblicherweise die 800-W-Einspeisegrenze. Beide greifen in der Stunde, nicht als nachträglicher Jahresabzug: eine Anlage, die mittags an ihre Grenze stößt, verliert genau dann, und nicht anteilig übers Jahr.
Was mit der Leistung oberhalb der AC-Grenze passiert, hängt vom Speicher ab. Ohne Speicher ist sie verloren — es gibt nichts, wohin damit. Mit Speicher bleibt sie auf der DC-Seite erhalten und kann laden. Das ist der eigentliche Grund, warum ein Speicher an einer Balkonanlage überhaupt etwas bringt, und er verschwindet in jeder Rechnung, die nur mit Jahressummen arbeitet.
Wirtschaftlichkeit des Speichers
Der Speicher wird Stunde für Stunde durchgerechnet (1-Stunden-Schritte), nicht über eine angenommene Zyklenzahl. Geladen wird ausschließlich aus Solarüberschuss — Netzladen ist nicht vorgesehen; entladen wird nur, um Netzbezug zu vermeiden.
Die Simulation startet mit leerem Speicher (start-at-minimum-soc). Ein voll startender Speicher würde im Januar Erträge ausweisen, die er nie hatte.
Lade- und Entladeverluste werden auf beiden Seiten gerechnet und zählen nicht als Eigenverbrauch: als eigenverbraucht gilt nur, was tatsächlich im Haushalt ankommt — direkt oder aus dem Speicher. Auch die Entladung an den Haushalt ist durch die AC-Ausgangsgrenze gedeckelt, und zwar um das, was der Direktverbrauch in derselben Stunde schon belegt hat.
Wirtschaftlich wird der Speicher gegen dieselbe Anlage ohne Speicher gestellt — nicht gegen eine geschätzte Einzelwirkung. Und die Rechnung zählt beide Richtungen: der Speicher senkt den Netzbezug (gut) und senkt zugleich die eingespeiste Menge (ein realer Verlust, wo Einspeisung vergütet wird). Beides steht in derselben Bilanz, damit der Speicher nicht besser dasteht, als er ist.
Grenze dieser Rechnung: gerechnet wird ein Jahr mit konstanter Kapazität. Alterung des Speichers wird hier nicht abgebildet, und ein Speicher, dessen Lade- und Entladeleistung wir nicht kennen, wird gar nicht erst durchgerechnet — dann steht im Ergebnis, dass keine Amortisation ausgewiesen wird, statt einer Zahl mit erfundener Grundlage.
Amortisation
Die Ersparnis ist die Differenz zweier Jahresrechnungen:
- Ohne Anlage: Jahresverbrauch × Strompreis + Grundgebühr
- Mit Anlage: Netzbezug × Strompreis + Grundgebühr
Die einfache Amortisation ist Anschaffungspreis ÷ Jahresersparnis. Ist die Ersparnis null oder negativ, steht dort keine Zahl — nicht „unendlich" und nicht ein sehr großer Wert, der wie eine Rechnung aussieht.
Für die 10-Jahres-Betrachtung sind drei Stellschrauben bewusst auf null gesetzt:
| Strompreissteigerung | 0 % pro Jahr |
|---|---|
| Moduldegradation | 0 % pro Jahr |
| Einspeisevergütung | 0 € pro kWh |
Das ist keine Prognose, sondern eine Weigerung. Eine angenommene Strompreissteigerung von 3 % verkürzt jede Amortisation um Jahre, und niemand kann sie belegen — sie würde die Rechnung nur schöner machen. Die Einspeisevergütung steht auf null, weil Steckersolargeräte in aller Regel nicht eingespeist vergütet werden; wer eine hat, bekommt hier also eher zu wenig ausgewiesen.
Kennst du deinen Strompreis nicht, rechnen wir mit 0,35 € pro kWh und weisen aus, dass geschätzt wurde. Ist die Grundgebühr unbekannt, geht sie mit null ein — sie ist in beiden Jahresrechnungen dieselbe und kürzt sich aus der Ersparnis heraus.
Preisannahmen
Preise stammen von den Händlerseiten selbst und tragen jeweils ein Prüfdatum. Der ausgewiesene Systempreis ist der bekannte Mindestpreis: Angebotspreis plus alle Pflichtteile, deren Preis wir kennen.
Ein unbekannter Preis wird nie als null behandelt. Fehlt der Preis eines Pflichtteils, gilt der Systempreis als Untergrenze und wird als solche gekennzeichnet — und wo daraus eine Amortisation würde, unterbleibt sie lieber.
Ob ein Preis vollständig ist, hängt vom Haushalt ab, nicht vom Produkt. Dasselbe Set ist vollständig kalkuliert für jemanden, der keine Halterung braucht, und unvollständig für jemanden, der eine Balkonbrüstung hat, für die der Händler keinen Preis nennt. Deshalb wird die Vollständigkeit pro Anfrage bestimmt und nicht am Produkt gespeichert.
Ein geprüfter Preis gilt 30 Tage. Danach wird er nicht etwa weiter angezeigt und leise alt — er wird aus den statischen Seiten zurückgehalten, bis er neu geprüft ist. Mehrere Händler führen dauerhaft Aktionspreise; solche Sets sind gesondert markiert.
Angegeben sind Kaufpreise ohne Versand und ohne Installationsdienstleistung.
Empfehlungslogik
Rechnung und Empfehlung sind getrennt. Die Engines liefern Fakten — Ertrag, Ersparnis, Amortisation. Die Empfehlungsschicht interpretiert diese Fakten und rechnet selbst nichts. Provisions- oder Affiliate-Signale gehen an keiner Stelle in die Bewertung ein.
| bis 5 Jahre | lohnt sich deutlich |
|---|---|
| bis 10 Jahre | lohnt sich |
| bis 20 Jahre | langfristige Option — wird gezeigt, nicht versteckt |
| unter 10 € Ersparnis im Jahr | keine Kaufempfehlung |
Die dritte Zeile ist eine bewusste Entscheidung. Eine Anlage mit 10–20 Jahren Amortisation rechnet sich langsam, aber sie rechnet sich — und wer einen Nordbalkon hat, ist besser bedient mit „das dauert 14 Jahre" als mit einer leeren Ergebnisseite.
Der Speicher wird separat eingeordnet, und immer nur nach seiner zusätzlichen Wirkung gegenüber derselben Anlage ohne Speicher: bis 8 Jahre empfohlen, bis 12 Jahre optional, unter 5 € Mehrersparnis im Jahr ohne nennenswerten Nutzen. Eine Speicherempfehlung verdeckt nie die Anlage selbst.
Versionen
Jede Rechnung trägt die Version der Engine, die sie erzeugt hat, damit ein altes Ergebnis einer bestimmten Methode zuzuordnen bleibt: Ertrag solar-v1, Lastprofil load-v1, Speicher battery-v1, Wirtschaftlichkeit econ-v1, Empfehlungsregelwerk recPolicy.v2.
Weitere Bereiche
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